Fotoinformationen
| Objekt: | 3I/Atlas |
| Aufnamezeit: | 25.12.2025 03:45 |
| Kamera: | Celestron Origin |
| Optik: | Celestron Origin |
| Belichtungszeit: | 670s und 110s |
| Katalogname: | keine Informationen |



3I/ATLAS – ein Besucher aus einem fremden Planetensystem
3I/ATLAS ist erst das dritte Himmelsobjekt, dessen Herkunft außerhalb unseres Sonnensystems zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte – nach 1I/ʻOumuamua und 2I/Borisov. Das „I“ in seinem Namen steht für interstellar, ATLAS für das Teleskopsystem, das ihn am 1. Juli 2025 entdeckte. Seine stark hyperbolische Bahn zeigt, dass er nicht an die Sonne gebunden ist: Er durchquert unser Sonnensystem nur ein einziges Mal und setzt anschließend seine Reise durch den interstellaren Raum fort. Beobachtungen zeigten einen eisigen Kern, umgeben von einer Koma aus Gas und Staub – 3I/ATLAS ist also eindeutig ein aktiver Komet.
Die beiden Aufnahmen entstanden am 25. Dezember 2025 mit einem Celestron Origin. Besonders interessant ist der Vergleich der unterschiedlichen Gesamtbelichtungszeiten. Das kürzere Bild besteht aus 11 Einzelaufnahmen zu jeweils zehn Sekunden, das längere aus 67 Aufnahmen – insgesamt also 670 Sekunden beziehungsweise 11 Minuten und 10 Sekunden.
Während der Bildverarbeitung wurden die Einzelaufnahmen an den Sternen ausgerichtet. Die Sterne bleiben deshalb punktförmig, der Komet bewegt sich jedoch währenddessen weiter. In der länger belichteten Aufnahme wird der Komet dadurch deutlich zu einem Strich auseinandergezogen, während er bei nur 110 Sekunden noch nahezu punktförmig erscheint. Das Bild enthält damit gewissermaßen eine kleine Zeitrafferaufnahme seiner Bewegung. Die Längung ist also die Spur seiner Bewegung gegenüber dem Sternhintergrund.
3I/ATLAS gehörte zu den schnellsten jemals beobachteten Besuchern unseres Sonnensystems. Bei seiner Entdeckung bewegte er sich mit rund 221.000 Kilometern pro Stunde. Durch die Anziehungskraft der Sonne beschleunigte er bis zu seiner größten Sonnennähe am 30. Oktober 2025 auf etwa 246.000 Kilometer pro Stunde. Auch zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen war er noch mit weit über 200.000 Kilometern pro Stunde unterwegs.
Ein Komet mit ungewöhnlicher Chemie
Schon die ersten Messungen des James-Webb-Weltraumteleskops lieferten eine Überraschung. Als Webb den Kometen im August 2025 – noch auf seinem Weg zur Sonne – untersuchte, wurde seine Koma nicht wie bei vielen Kometen von Wasserdampf, sondern ungewöhnlich stark von Kohlendioxid geprägt. Das Verhältnis von Kohlendioxid zu Wasser lag bei ungefähr 7,6 zu 1 und damit höher als bei fast allen bekannten Kometen unseres Sonnensystems. Außerdem wurden Kohlenmonoxid, Carbonylsulfid, Wassereis und Staub nachgewiesen.
Zunächst wurden mehrere Erklärungen diskutiert: Vielleicht entstand 3I/ATLAS nahe der Kohlendioxid-Schneegrenze seines ursprünglichen Planetensystems. Möglich ist auch, dass energiereiche Strahlung seine äußeren Schichten während der langen Reise zwischen den Sternen chemisch verändert hat. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Wärme nur langsam in den Kern eindrang und deshalb zunächst deutlich weniger Wasser als Kohlendioxid freigesetzt wurde.
Die neuesten Webb-Ergebnisse
Nach der Sonnenpassage beobachtete Webb den Kometen im Dezember 2025 erneut. Dabei wurden unter anderem Kohlenmonoxid, Wasser, Kohlendioxid, Methanol und erstmals bei einem interstellaren Objekt auch Methan direkt nachgewiesen. Dass das leicht flüchtige Methan erst vergleichsweise spät austrat, deutet darauf hin, dass es unter den bereits veränderten äußeren Schichten verborgen lag und erst freigesetzt wurde, als die Sonnenwärme tiefer in den Kern eindrang.
Noch erstaunlicher waren die Isotopenmessungen. Das Wasser von 3I/ATLAS enthält mehr als zehnmal so viel Deuterium – sogenannten schweren Wasserstoff – wie das Wasser bekannter Kometen unseres Sonnensystems. Auch die Kohlenstoff-Isotope unterscheiden sich deutlich. Daraus schließen die Forscher, dass 3I/ATLAS wahrscheinlich bei Temperaturen unter etwa 30 Kelvin, also unter minus 243 Grad Celsius, in einer kalten und vergleichsweise metallarmen Umgebung entstand. Modelle lassen sogar ein Entstehungsalter von bis zu zehn bis zwölf Milliarden Jahren zu. Der Komet könnte somit ein nahezu unverändertes Bruchstück eines Planetensystems aus der Frühzeit unserer Milchstraße sein.
Eine ganz neue, bislang noch als Vorabveröffentlichung vorliegende Auswertung der Webb-Messungen deutet außerdem darauf hin, dass sein Staub überwiegend aus ungeordneten, amorphen Silikaten besteht. Damit ähnelt er eher ursprünglichem Material aus dem interstellaren Raum als den stärker kristallinen Silikatmischungen vieler Kometen unseres Sonnensystems.
Aufnahme: Hans-Georg Kronemeyer, Celestron Origin, Uelsen, 25. Dezember 2025; 67 × 10 Sekunden sowie 11 × 10 Sekunden Gesamtbelichtung.
https://science.nasa.gov/solar-system/comets/3i-atlas/3i-atlas-facts-and-faqs/
https://arxiv.org/abs/2508.18209
https://arxiv.org/abs/2606.27535
