Wunderschöne Polarlichter streichelten am 19.01.2026 den Himmel. Schnell wurde an mich die Frage herangetragen, ob dieses beeindruckende Himmelsphänomen eigentlich vorhergesagt werden kann.
Die kurze Antwort lautet: Ja.
Die ehrliche Antwort lautet: Ja – aber…
Denn wie so oft im Leben ist auch hier nicht einfach alles nur schwarz oder weiß. Prognosen sind möglich, haben aber ihre Tücken.

Um diese Einschränkungen zu verstehen, müssen wir einen kurzen Blick in die Physik der Polarlichter werfen. Keine Sorge: Ich halte den Ball wirklich flach. Und wer darauf keine Lust hat und dieses Himmelsschauspiel einfach nur genießen möchte, hat mein vollstes Verständnis.
Also, los geht es:
Die Sonne schleudert ständig einen Strom aus geladenen Teilchen ins All. Dieser Teilchenstrom wird Sonnenwind genannt und durchflutet das gesamte Sonnensystem. Zum Glück besitzt die Erde ein starkes Magnetfeld, das wie ein Schutzschild wirkt und den größten Teil dieses Sonnenwinds ablenkt. Ganz perfekt ist dieser Schutz allerdings nicht: In der Nähe der Pole hat das Magnetfeld gewissermaßen ein „Leck“.
Durch diese magnetischen Schwachstellen können die geladenen Teilchen der Sonne in die Erdatmosphäre eindringen. Dort treffen sie auf Moleküle in der Luft – und genau bei dieser Begegnung beginnt die Magie: Die Moleküle werden angeregt und geben die Energie in Form von Licht wieder ab. Voilà – Polarlichter entstehen. Aus den unterschiedlichen Luftmolekülen und der Höhe, in welcher diese angeregt werden, resultieren die unterschiedlichen Farben.

Dieses „Loch im Schutzschild“ erklärt auch, warum Polarlichter normalerweise nur in hohen Breiten zu sehen sind. Im Norden spricht man von der Aurora borealis, im Süden von der Aurora australis. Gleiche Physik, andere Bezeichnung.
Damit Polarlichter auch weiter südlich (oder nördlich) sichtbar werden, müssen mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein. Vereinfacht gesagt:
Der Sonnenwind muss dicht, schnell und gut gelaunt sein – letzteres ist natürlich keine offizielle physikalische Größe, fühlt sich aber manchmal so an.
Ein entscheidender Faktor ist außerdem die Ausrichtung des Erdmagnetfeldes. All diese Parameter wirft man zusammen, rührt kräftig und erhält am Ende den sogenannten KP-Index.
Dieser Index reicht von 0 bis 9 und beschreibt, wie stark die geomagnetische Aktivität ist – oder einfacher gesagt: wie gut die Chancen stehen, Polarlichter zu sehen.
Faustregel (Faustregel heißt, alles ohne Gewähr ;-)):
- KP 0–3: ruhig schlafen
- KP 4–5: könnte interessant werden (wird es aber häufig nicht)
- KP 6–7: definitiv hinschauen, auch wenn immer wieder nichts passiert
- KP 8–9: Jacke anziehen, rausgehen, staunen
Wer es bequem mag, kann sich eine Polarlicht-App installieren – die meldet sich, wenn es spannend wird.
Doch ganz so einfach ist es leider nicht: Gerade bei KP-Werten zwischen 4 und 7 lohnt sich ein genauer Blick auf die einzelnen Parameter. Das ist etwas mühsam, hilft aber enorm, um zwischen „Ich bleibe heute lieber liegen.“ und „Warum habe ich es verpasst!“ zu unterscheiden. Zum Abschluss – am 18.01.2026 gab es ein recht starken koronalen Massenauswurf – CME (sprich viele Teilchen mit hoher Geschwindigkeit, die auch noch in Richtung Erde ausgerichtet waren). Ach ja, wieder sehr vereinfacht dargestellt.
Jetzt könnte ich noch viel darüber schreiben, wie die Farben genau entstehen, warum diese mit dem bloßen Auge meistens nicht wahrnehmbar sind oder wie die Fotografie hilft. Bei Fragen diesbezüglich gerne mehr…
Für die Fortgeschrittenen noch zwei Links:
Polarlicht-Vorhersage für Deutschland
Kurz gesagt: Polarlichter lassen sich vorhersagen – aber sie behalten sich immer das letzte Wort vor. Und vielleicht ist genau das ein Teil ihres Zaubers und auch das mystische Erleben dieses Schauspiels mit eigenen Augen in der Natur.

